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Berufliche Neuorientierung

A Dieu Petrusgemeinde

„Der Herr segne dich und behüte dich…“ …unzählige Male habe ich diese Worte aus dem Alten Testament zu Ihnen am Ende der Gottesdienste sagen dürfen. Zwölf Jahre lang. Am 13. Juni spreche ich sie zum letzten Mal als Ihre Pfarrerin, denn an diesem Tag nehme ich Abschied aus unserer Petrusgemeinde

Im November 2008 haben mein Mann und ich die Pfarrstelle bei Ihnen übernommen und durften Sie seitdem durch „Freud und Leid“ begleiten. Es war mir eine Ehre!

Nachdem ich die letzten fünfzehn Monate abgeordnet und als kommissarische Dekanin für (Dreieich-)Rodgau tätig war, trete ich zum 1. Mai eine neue Stelle an und verabschiede mich aus Urberach.

Hier ein paar Fragen, die mir gestellt wurden:

Was machen Sie ab 1. Mai?

Ich werde Kirchenrätin und bin als solche die Referentin für Theologische Ausbildung in der EKHN. Das bedeutet, dass ich junge Menschen begleiten werde, die Pfarrer*in werden wollen. Ich stehe für Fragen und zur Beratung zur Verfügung, bin mit der Durchführung des 1. und 2. Examens beschäftigt, plane Veranstaltungen, teile die Vikar*innen ihren Einsatzorten zu, bearbeite Prüfungsordnungen und vieles mehr. Über allem steht die Frage, wie wir uns in Zukunft als Kirche aufstellen, damit der Pfarrberuf noch attraktiv ist, denn auch bei uns gibt es einen Nachwuchsmangel.

Ich freue mich, die Kirchenverwaltung und ein neues Aufgabengebiet kennen zu lernen und in meinem Büro in Darmstadt zu arbeiten.

Was heißt das für unsere Petrusgemeinde?

Mein Mann übernimmt meine halbe Stelle und ist dann voll und ganz Pfarrer in Orwisch. Die halbe Stelle in Ober-Roden hat er abgegeben.

Wir bleiben als Familie im Pfarrhaus wohnen und freuen uns, auch weiter bei und mit Ihnen leben zu können, denn wir haben hier als Familie unsere Heimat gefunden. Wer ein Mal die Orwischer Nationalhymne gelernt hat, den lässt sie halt nicht mehr los… „Orwischer Dippchen und Ebbelwoi…“.

Wenn ich also als Pfarrerin doch mal den Segen in unserer Petruskirche erteilen oder das Frauenfrühstück machen möchte, kann ich das, ehrenamtlich, auch in Zukunft und freue mich darauf!

Was bleibt Ihnen in besonders guter Erinnerung?

Ich bin immer noch sehr stolz auf die gelungene Kirchensanierung. Das Gebäude ist hell und sichtbar geworden. Bauliche Dinge sind nicht immer einfach umzusetzen, aber in unserem Kirchenvorstand war es ein harmonischer Prozess und auch finanziell sind wir sehr gut weg gekommen, denn wir mussten keine Schulden aufnehmen.

Die Sanierung hat aber auch Identität gestiftet. Durch alte Fotos wurde deutlich, dass es den Gemeindegliedern in den 50er Jahren trotz ihrer knappen Mittel so unglaublich wichtig war, eine eigene evangelische Kirche zu haben, dass sie unser Kirchlein auf den kleinen Acker gesetzt haben, in dem wir heute noch Gottesdienst feiern. Wie schön!

Sehr gerne erinnere ich mich an so viele persönliche Begegnungen bei Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten, aber vor allem auch bei Beerdigungen, wo ich Sie persönlich in schönen oder schweren Momenten begleiten und Segen spenden durfte. Da war viel Lachen und Weinen.

Mir fallen unzählige Gottesdienste, Konzerte, Veranstaltungen, Konfirmandenstunden, Gemeindefeste, Seniorennachmittage, Weihnachtsfeiern, Sitzungen, Jubiläen, Krabbelgruppen, Ausflüge und Besuche ein, die ich hier gar nicht alle aufzählen kann, dafür sind 12 ereignisreiche Jahre einfach zu viel.

Alle Bilder, die ich im Kopf habe, zeigen mir aber eine fröhliche Gemeinschaft, die gerne und stilvoll feiert. Das fand ich immer besonders an unserer Gemeinde. Feiern verbindet uns miteinander und auch Jesus selbst hat gerne mit anderen gefeiert. Wir erleben dabei die gnädige Zuwendung Gottes zu uns Menschen. „Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinen Mühen, das ist eine Gabe Gottes.“ (Prediger 3,12-13)

Wo gab es Schwierigkeiten?

In den ersten Jahren musste der Kirchenvorstand die Finanzen neu aufstellen und viel Sparen. Das erforderte manch schwere Entscheidung. Wir sind immer noch keine reiche Gemeinde, aber inzwischen solide aufgestellt.

An besondere Schwierigkeiten kann ich mich sonst nicht erinnern. Wo viele Menschen zusammen kommen, gibt es natürlich immer wieder Meinungsverschiedenheiten und Unsicherheiten durch nötige Veränderungen, aber das ist sicher normal. Ich möchte die Gelegenheit gerne nutzen, mich bei allen zu entschuldigen, die ich an einer solchen Stelle oder auch in anderen Zusammenhängen enttäuscht habe.

 Was wünschen Sie der Petrusgemeinde?

Der Petrusgemeinde wünsche ich, dass sie eine fröhliche Gemeinde bleibt, die traditionell und modern zugleich ist und das Evangelium stets in ihrem Herzen trägt.

Für mich war die Petrusgemeinde stets auch eine diakonische Gemeinde und ich hoffe, dass sich immer wieder Menschen finden, die bereit sind, besonders hier ihre Kraft einzusetzen und mit dem Brotkorb oder durch Besuche anderen helfen.

Vor allem wünsche ich derzeit, dass die Pandemie bald vorbei ist, damit wir überhaupt wieder Gemeinschaft leben und ohne Einschränkungen Gemeinde sein können.

 Danke!

Allen Ehrenamtlichen sei an dieser Stelle herzlich für alle Unterstützung gedankt, sei es ganz handfest oder durch ermutigende Worte. Durch Sie alle konnte ich viele Erfahrungen sammeln und dadurch dazu lernen und überhaupt nur meine Arbeit tun.

Besonders gilt das für alle KirchenvorsteherInnen, die in der Leitung der Gemeinde viel Zeit und Herzblut investieren, sowie den MitarbeiterInnen: Sie alle waren die Stütze meines Tuns.

Genauso wie mein Mann, der mir der tollste Kollege in der Gemeinde war. Mit ihm lasse ich Ihnen das Beste hier, was ich habe : )

Liebe Petrusgemeinde:

„Der Herr segne dich und behüte dich!“

Sonja Mattes

 

    


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