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Fasten für Gesunde 2019

Durch alle Tiefen und Höhen gegangen

Seit vielen Jahren wird in der Petrusgemeinde Urberach etwa 10 Tag lang in der Passionszeit gemeinsam gefastet - von Pfarrern begleitet und von Yoga, heilpraktischem Wissen, kleinen Projekten und Klangreisen umrahmt. Willkommen dazu ist jeder, der gesund ist und sich zutraut, seine Leben für diese Tage umzustellen und über diese Erfahrungen am eigenen Leib und der Seele in der Gruppe zu reden.

Fehlendes Essen als Verlust erleben - vor allem das genüssliche Kauen und auch der gesellige Teil des Kochens und Essens fehlt einfach bei Wasser, Tee und Gemüsebrühe. Nach zwei, drei Tagen bekamen viele der 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die körperlichen Schwierigkeiten massiv zu spüren: ständiges Frieren, Kreislaufbeschwerden, schlechteres Sehen, stärkeres Geruchsempfinden – einer der fünf Männer schied aus der Gruppe aus, da er dies in sein aktives Berufsleben einfach nicht einbinden konnte. Andere gingen vorsichtshalber zu ihrem Hausarzt, der ihnen jedoch versicherte, alles sei gut und sie könnten ruhig weiterfasten. So mancher Teilnehmer mit hohem Blutdruck erfuhr ganz nebenbei erstmals, wie es sich mit einem niedrigeren Blutdruck lebt – mit der Folge, dass die Tabletteneinnahme angepasst werden sollte. Dafür  fühlten sich fast alle Fastenden nach den ersten acht Tagen allmählich aufblühend, spürten zusätzlich frei werden Kräfte in sich und hatten neue Energie etwa für Gartenarbeit oder aufgeschobene Tätigkeiten. Viele schliefen besser als sonst und tiefer; manche brauchten weniger nächtlichen Schlaf als üblich, aber Ruhepausen. Besonders intensiv beteiligten sich die Gruppenmitglieder bei den zentralen Themen der täglichen abendlichen Treffen: Yoga mit Susan Diehl, ein Märchenabend mit Veronika Pettirsch-Huder, eine Klangreise mit Karla Jäger, Herstellen duftender und bunter Glyzerinseifen oder von aromatischem Rosmarinöl mit Bärbel und Manfred Dörsam oder mit Carmen Brößler in der Küche der Petrusgemeinde – die kleinen Projekte bereiteten allen Fastenden geruchliche, optische und haptische Genüsse oder schöne Erlebnisse für Geist und Seele.

Allen gemeinsam war die Vorfreude auf das langsame Abfasten, das schrittweise Zurückkehren zur üblichen Ernährung, nach Möglichkeit auch verbunden mit einem Überdenken der eigenen Ernährung, einer gezielten Umstellung: „Sie sollten jetzt versuchen, neue Verhaltensweisen beim Essen einzuüben, die auf der Erfahrung des Grundfastens ‚Ich brauche viel weniger Nahrung als zuvor‘ aufbauen“ – so steht es in den Ratschlägen für Fastenbrechen und Kostaufbau, die jeder Teilnehmer vom Fastenteam um Carmen Brößler und Bärbel Dörsam mit nach Hause bekam. Mazenbrot und frischer Traubensaft, am Tag danach roher oder gedünsteter Apfel oder Birne, eine halbe gekochte Kartoffel mit Magerquark oder ähnlichem. Mehrere langjährige Teilnehmer an der Gruppe empfanden in diesem Jahr die strengen Fastentage mit ihrem liebevoll zusammengestellten Beiprogramm als besonders wohltuend – vielleicht lag es daran, dass es sich – durch den Terminkalender der Petrusgemeinde bedingt – tatsächlich mit dem abnehmenden Mond deckte, der dafür die beste Zeit sein soll.  Auf alle Fälle hatten neben den Teilnehmern auch Andere etwas vom Fasten: wie in den vergangenen Jahren spendeten die Fastenden das, was sie an Nahrung finanziell eingespart hatten und was ihnen die Sache wert ist, für ein Projekt des Indienhilfswerks Hand-in-Hand von Fastengruppen-Mitglied Pfarrer Elmar Jung.

Chrsitine Ziesecke


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